Ich bin ein ehemaliger Globetrotter und Rucksacktourist, der 5/6 Jahre lang in einem Arbeit-Reisen-Arbeit-Reisen Kreis gelebt hat bevor in Deutschland die Bremse gezogen wurde. Ich habe ursprünglich 2 Jahre in Hamburg gelebt, mich aber nie wirklich in der Hansestadt niedergelassen und bin schließlich nach Italien gezogen. 2013 bin ich zurückgekommen, aber jetzt arbeite ich in Lübeck und wohne neben ein paar Kühen in Mecklenburg Vorpommern.

Was war der größte Kampf als du umgezogen bist?

Es gab offensichtliche Sprachprobleme und ein paar bürokratische Hürden, aber womit ich am meisten zu kämpfen hatte war die Entfernung zwischen den Menschen in Hamburg. Die Menschen sind freundlich, aber wirkliche Freundschaften aufzubauen fand dich sehr schwierig und nach einer Weile ziemlich entmutigend. Ich habe mit ein paar Leuten darüber gesprochen während ich in Hamburg war und habe dadurch festgestellt, dass viele andere Neulinge das gleiche Problem hatten. Die Einheimischen sind einfach nicht “offen” wie in anderen Teilen der Welt. Und die Tatsache, dass meine 3 wichtigsten Freunde zu der Zeit als ich ging aus Köln, Bremen und Kopenhagen kamen, sagt vielleicht etwas über die Hamburger aus…

Was magst du/magst du nicht an deinem Leben in Deutschland?

Das ist eigentlich eine richtig schwierige Frage ohne ein Bier in meiner Hand und ohne halbe Stunde in der ich über deutsche Kultur und die deutsche Gesellschaft trällern kann. 😉 Aber wenn ich das Leben in Deutschland bis auf meine kleinen Erfahrungen mikro-analysiere dann ist für mich eines der größten Freuden die Geduld und der Aufwand den die deutschen Leute investieren um zu verstehen, was zum Teufel ich versuche zu sagen, während ich die deutsche Sprache verunstalte. Und um bei der Kehrseite der Sprache zu bleiben, ich bin kein Fan davon wie direkt und manchmal ungehobelt die Sprache sein kann. Ich fühle mich mit der britisch-englischen Idee wohler, in der man eine Sache sagt aber ganz leise etwas komplett anderes andeutet…

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Fühlst du dich eigentlich integriert? Was bedeutet das eigentlich?

Ich bin wahrscheinlich halb integriert. Ich spreche die Sprache. Ich habe gelernt, jedes Mal nur eine Scheibe Schwarzbrot zu essen, und ich bin voll in die Bürokratie eingetaucht. Aber gleichzeitig lebe ich in einer russischen Blase komplett vom Land abgetrennt. Als ich damals in Hamburg ankam, habe ich eine Englisch-sprechende Blase für mich und die Familie meiner Frau (alle russisch) kreiert und habe das in einem permanenteren Ausmaß in Lübeck getan. Angefangen von TV/Zeitungen zu Hause bis zu den Menschen mit denen sie Zeit verbringen, alles ist russisch. Also habe ich eigentlich einen “zwei für eins Deal” durch die Auslandserfahrung bekommen, in dem ich in eine russische Familie in Deutschland eingeheiratet habe!

Aber tatsächlich kommt Integration auf die Person an, wie willens du bist, dich auf die einheimische Kultur/Gewohnheiten einzulassen etc. oder inwieweit du dich von dem Ort lossagen willst, indem du wohnst, indem du an Dingen von daheim festhältst.

Hat sich eines der Klischees über Deutsche bestätigt? 

Da ich aus Schottland komme, ist unsere Vorstellung von den Deutschen stark von den UK/Englischen Medien beeinflusst, und es ist ein ziemlich negatives Bild, das gezeichnet wird. Unfreundlich, kalt, unfreundliche und überorganisierte Menschen…Ich gebe zu, dass sie lächerlich organisiert sind, manchmal bis zu einem Punkt der dich immens frustriert. Aber im Ganzen sind sie ein extrem freundlicher und hilfsbereiter Haufen.

Ich glaube sie sind von der Geschichte so belastet, dass sie manchmal skeptisch sind wenn es darum geht, wie andere sie wahrnehmen, besonders wenn sie ins Ausland gehen. Und das trägt zu der Idee der kalten und distanzierten Deutschen bei. Aber in Wirklichkeit sind sie ein liebenswertes Volk.


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