Hi, ich bin Vanessa, der Abel Teil von Leather and Abel.  Jason und ich sind vor etwas über einem Jahr aus London nach Berlin gezogen und lieben unser neues Leben hier in Deutschland.

Ich bin halb Deutsche und die Familie meiner Mutter kommt aus einem winzigen Dorf mitten im Niemandsland. Sie leben alle in derselben Straße und seit meiner Geburt habe ich sie ungefähr einmal pro Jahr besucht. Nachdem ich Jason getroffen hatte, wollte ich ihn mitnehmen, um meine liebenswerte Familie zu besuchen, im Anschluss daran verbrachten wir dann ein amüsantes Wochenende in Berlin, um eine Deutsche Großstadt zu testen. Wir haben uns buchstäblich sofort in Berlin verliebt, sind zurück nach London gereist, haben unsere Jobs gekündigt, und ein paar Monate später sind wir in das Land der Currywürste und Bier gezogen.

Wie war Euer Integrationsprozess?

Ich habe ja eigentlich den größten Teil meiner Ausbildung in einer Deutschen Schule in London verbracht, so dass Sprache kein Problem für mich ist. Allerdings ist der Papierkram sehr umfangreich und schwierig. In England haben wir Flyer in jeder Sprache, damit alle Menschen es verstehen können, was sie hier in Deutschland allerdings nicht zu machen wollen scheinen. Jason und ich haben beide in Japan gelebt, wo ALLES anders ist. Im Vergleich, dort zu integrieren, ist Deutschland gar nicht so anders als England. In Berlin leben auch so viele Ausländer, dass Du schnell Freundschaften mit den Leuten schließt, die sich bereits integriert haben und sich freuen, helfen zu können.

Was dachtest Du von Deutschland und den Deutschen, bevor Du herkamst? Haben sich einige Stereotypen über die Deutschen bestätigt?

Weil ich halb Deutsche bin, mag ich es nicht, wenn jemand schlecht über Deutsche redet, außer ich selbst.

Sie trinken wirklich viel Bier und lieben Techno Musik, aber genau wie mit jedem anderen Stereotyp, gibt es viele verschiedene Menschen hier. Ich war wirklich überrascht, wie praktisch sie hier sind mit ihrer Mode und die Züge sind wirklich pünktlich, aber das Kundenservice Level ist erschreckend. Ich glaube nicht, dass man es überhaupt Service nennen kann, weil die Leute in Geschäften und Restaurants einfach unhöflich sind. Es ist schwierig, deutsche Freunde zu finden, aber wenn, dann sind sie erstaunlich und tun alles, um Dir zu helfen. Plus die Idee des Ruhetags am Sonntag (wo prinzipiell jedes einzelne Ding geschlossen hat und Du per Gesetz ruhig sein muss) hat eine Zeit gedauert, um sich daran zu gewöhnen.

Was vermisst Du am meisten aus Deinem Land?

Käse. Was ist bloß los mit Deutschland! GRUMMEL!!! Zum Glück haben wir viele Besucher aus England, so dass wir immer einen Käsevorrat haben….

Glaubst Du, dass Deutschland ein multikulturelles Land ist?

Ich glaube nicht, dass Berlin ganz Deutschland repräsentiert. In Berlin wirst Du kaum jemanden aus der gleichen Stadt treffen, oder gar aus diesem Land. Meine Kollegen kommen aus fast allen Ländern dieser Welt, und wir haben sogar Englischunterricht erhalten! Jeder in Berlin scheint fließend Englisch zu sprechen und viel zu reisen. Ich würde definitiv sagen, dass diese Stadt multikulturell ist und andere Kulturen akzeptiert. Ich liebe es!

Fühlst Du Dich von der deutschen Gesellschaft akzeptiert? 

Ich fühle mich akzeptiert. Ich glaube, es ist schwerer für Jason, besonders als wir gerade angekommen waren wegen der Sprachbarriere. Er hat Deutsch geübt, ist dann in einen Laden gegangen, um etwas zu bestellen und die Antwort kam immer in Englisch. Es ist schwer, die Sprachsicherheit in einer Sprache zu bekommen, die Du nicht kennst, und wir kennen viele Leute, die schon seit vielen Jahren hier leben und sich immer noch nichts in einem Restaurant zu essen bestellen können. Es ist eine Schande, dass Du hier kein Deutsch brauchst um überleben zu können, aber manchmal kann es auch ein Segen sein. Auch eine Mietwohnung zu finden ist schwer genug in dieser Stadt – Ausländer zu sein macht es unmöglich.

Wie würdest Du Deine Erfahrung in Deutschland zusammenfassen?

Es war interessant, die Deutsche Hälfte von mir kennenzulernen. Ich trage keine Stöckelschuhe, und wenn es kalt ist, trage ich praktische Kleidung. Ich mag keine Handtaschen und wenn ich unbedingt mehr tragen muss als in meine Taschen passt, dann würde ich es vorziehen mir einen Rucksack auf den Rücken zu packen. Ich trage weniger Make-Up als Menschen in England, und oft habe ich keine Lust, meine Haare bis zur Perfektion zu glätten.
In mir drin fühle ich mich definitiv immer noch Englisch aber es ist interessant, in der Lage zu sein, einige meiner nicht englischen Eigenschaften zu beschreiben. In Berlin zu leben ist verrückt – Wir machen alle möglichen, beliebigen Jobs und treffen Leute aus der ganzen Welt während wir in einem extrem günstigen, aber wunderschönen Apartment wohnen. Wer weiß wie lange wir bleiben werden, aber für den Moment muss ich sagen, dass wir es absolut lieben!


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