Heutzutage denken alle über die Integration der Anderen nach; wir alle tun das täglich. Das ist ein unaufhörlicher Prozess. Ich glaube das ist ein Hauptkriterium um glücklich durch das Leben zu kommen. Ich bin eine muslimische Jordanierin mit syrischem Migrationshintergrund, die in Deutschland studiert und eine Weile gearbeitet hat. In jener Zeit besuchte ich fast alle Hauptstädte Europas, genoss meine Hochzeitsreise in Japan und lebte sogar einige Zeit in den Emiraten. Immer wieder, wenn mir etwas Neues einfällt, egal wo und wann, entweder beim Umzug in einen anderen Ort oder beim Lesen eines Buches, öffnen sich meine Augen ein Stück weiter.

Zwangsläufig verbinden sich meine alten Ansichten mit neuen Eindrücken, bis alle zuvor existierenden und neu dazu gekommenen Ideologien in meinem kleinen Kopf eine neue Einheit bilden.

Dennoch sollten nicht alle Aspekte meines Bedenkens beibehalten werden, weil noch ein anderer Prozess parallel dazu verläuft, und zwar selektive Filtration (die nötige Information wird vom Unnötigen filtriert). Warum ist das so? In diesem Fall gebe ich Malcolm X recht, der sagte: “Es ist genauso, wie mit einem Kaffee, der zu stark ist. Was werdet ihr machen? Ihr verdünnt ihn mit Sahne und damit macht ihr ihn schwächer. Aber wenn ihr zu viel Sahne hinzufügt, dann werdet ihr nicht mehr erkennen, dass das ein Kaffee war. Der Kaffee sollte heiß sein, jetzt ist er kalt. Er sollte stark sein, doch jetzt ist er schwach. Eigentlich dient er dazu euch wach zu machen, aber jetzt macht er euch schläfrig.“

Ich würde sagen, sich in Deutschland zu integrieren (ich lebte in Bonn und Bochum) war für mich nicht so schwer. Das geht einfacher wenn du Gleichgesinnte triffst mit denen dich etwas verbindet.

Es gibt Menschen, die sich mehr für deine innere Welt interessieren und nicht für solche trivialen Sachen wie zum Beispiel woher du kommst, was du isst, welche Kleidung du trägst usw. Sich nicht ins Abseits geschoben und fremd zu fühlen hilft beim Finden einer gewissen Harmonie mit sich selbst. Und nur dann ist man bereit sich mit neuen Denkweisen zu konfrontieren.

Die Landessprache zu sprechen spielt auch eine große Rolle. Dadurch kann man Ängste und Hoffnungen erkennen, die sich hinter den Worten verstecken. Integration ist meiner Meinung nach eine sehr freudvolle und bereichernde Erfahrung. Aber wisst ihr was ganz schnell alles verderben kann? Die Einmischung und Beurteilung von Anderen, die ihre Meinung dazu sagen, ob du gut oder schlecht integriert bist. Das kann die ganze Situation versauen und jemanden dazu bringen, dass er oder sie das Selbstbewusstsein verliert und keinen weiteren Fortschritt mehr macht. Ich habe solche Momente der Unterdrückung, der Diskriminierung und des Rassismus erlebt und sie waren furchtbar; nein sogar entsetzlich.

Manchmal wehrte ich mich dagegen und kämpfte für meine Rechte und manchmal war ich zu müde um zurückzuschlagen und immer wieder das Gleiche zu wiederholen. Aber immer wenn ein neuer Tag anfing war ich wieder bereit Deutschland zu lieben.

Der Hauptpunkt der Integration ist, dass es ein gegenseitiger Prozess ist, was Toleranz und Geduld von beiden Seiten erfordert. Eigentlich ist das Leben eine Reise, die voll von Abenteuern und Leidenschaft ist. Warum sollte man das Leben vergeuden indem man Ängste hat oder sich Spekulationen hingibt. Anstatt dessen sollte man lieber das Potential der Multikulturalität genießen!!!


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