Es gibt wirklich nicht viel, was mich hier aufregt, sogar als Araberin au seiner anderen Welt und mit Schleier. Das war überraschend. Ich hatte erwartet, dass es viel schwieriger wird. Vielleicht ist es wegen Bonn. Wenn ich nach Ostdeutschland gehen würde, wäre es vielleicht anders.

Was hast Du während der zwei Jahre in Deutschland gelernt?

Dass ich als Mädchen, weg von der Familie, alleine leben kann. Dass es in meiner Macht liegt, das zu tun. In Ägypten hast du noch nicht einmal die Chance, alleine zu leben. Ein Mädchen bleibt im Elternhaus, bis es mit ihrem Ehemann einzieht.

Ich bin weltoffener geworden. In Ägypten habe ich nur Ägypter getroffen. Hier habe ich gelernt, dass es OK ist, anders zu sein. Wir sind alle unterschiedlich, aber wir können zusammenleben und Freunde sein. Vorher ist mir das nie in den Sinn gekommen. Du lebst in Deinem eigenen Land und denkst über diese Dinge nicht nach. Aber hier triffst du Leute und findest heraus, dass es mehr Übereinstimmungen als
Unterschiede gibt. Wir sind alle Menschen. Natürlich kommt es auf die Sichtweise an. Wenn du die Unterschiede sehen willst, dann wirst du auch nur Unterschiede finden.

Irgendetwas, was Du besonders seltsam fandst, als Du hergezogen bist?

Ich bekomme so viele Briefe hier in Deutschland. In Ägypten nutzen wir die Post nicht so oft. Es war ein Kulturschock. Erst habe ich die Briefe gar nicht geöffnet. Ich wusste nicht, dass man das muss. Darum bekam ich Zahlungsaufforderungen, und ich habe nicht gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Dann musste ich das lernen.


0