Wir leben unser Leben, manchmal ohne eine genaue Ahnung zu haben, was für interessante Menschen sich in unsere Nähe befinden. Neulich bin ich einem davon zufällig begegnet und bin ins Gespräch mit ihm gekommen. Diese Person, Albert heißt er, hat mich wirklich fasziniert. Er hat schon vor 8 Jahren sein Augenlicht verloren, dadurch verlor aber seine Lebensfreude nicht.

Hallo, ich heiße Albert, aber bitte das „t“ am Ende nicht aussprechen! Ich hasse es, wenn mein Name auf deutsche Art und Weiße ausgesprochen wird. Das ist ein französischer Name. Ich bin unweit von Lausanne, in der französischen Schweiz geboren. Das war 1934. In der Schweiz habe ich eine Ausbildung zum Restaurantfachmann gemacht. Danach habe dort, in den Niederlanden und in Frankreich gearbeitet, aber 1970 bin ich nach Deutschland gekommen und habe dies nie bereut.

Albert, warum ausgerechnet nach Deutschland?

Damals habe ich gehört, dass man hier gut Kariere als Restaurantfachmann machen kann. Und ich habe mich nicht geirrt. Ich habe in Berlin das Restaurant im Hotel Schweizerhof bis zu meinem Rentneralter geleitet. Das waren gute Zeiten! Ich habe die Bestellung von Helmut Kohl angenommen, als er noch Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz war. Ich habe mit Willy Brandt über Politik gequatscht! Und natürlich die übliche Prominenten getroffen.

Konntest du Deutsch sprechen, als du hier gekommen bist?

Ja, ein bisschen, aufgrund meines Berufes. Aber später habe ich natürlich ordentliches Deutsch gelernt. Meine dritte Frau ist eine Deutsche!

Und deine Muttersprache?

Französisch. Außerdem spreche ich noch Italienisch, Niederländisch, Englisch und noch ein bisschen Spanisch. Alle Sprachen habe ich dank meines Berufs gelernt. Ich hatte manchmal Angestellte aus 15 verschiedenen Ländern. Jetzt gerade, um mich nicht zu langweilen, lerne ich gerade voller Elan Russisch.

Würdest du behaupten, dass in Deutschland eine multikulti Gesellschaft existiert? Und wenn ja, bist du dafür?

Ich denke schon, besonders hier in Berlin. So viele Nationalitäten leben nebeneinander und es ist gut so. Ich finde man kann immer von anderen Menschen etwas Gutes lernen, ihre Traditionen, ihre Bräuche, ihre Essenspezialitäten. Das letzte interessiert mich besonders. Ich habe doch in der Gastronomie gearbeitet und sogar heute koche nur ich bei uns zu Hause, obwohl ich nicht mehr sehen kann.

Du bist schon so lange hier. Du fühlst dich bestimmt integriert..

Ja, sogar sehr. Ich würde sogar sagen, dass aus einem Schweizer jetzt ein hundertprozentiger Deutscher geworden ist! Obwohl ich dazu eine kleine Anmerkung machen möchte: wir, Schweizer, stehen den Deutschen sehr nah mit unserer Mentalität, wir schätzen auch Pünktlichkeit und Ordnung. Was hier, meiner Meinung nach, anders ist, dass es in Deutschland mehr Demokratie und Freiheit gibt, die Gesellschaft hier ist wirklich multicoolty, was ich über die Schweiz nicht sagen kann.

Kannst du dir vorstellen jetzt in der Schweiz zu leben?

Ehrlich gesagt nicht. Hier ist mein Zuhause. Ich habe mich an Deutschland und die Deutschen gewöhnt. Das einzige, was mir hier fehlt sind die Berge.

Was für dich „typisch deutsch“ ist?

Currywurst! Ein Scherz! Das ist typisch berlinerisch!!! Aber ich mag die deutsche Küche. Sie ist sehr vielfältig, in jeder Region ist eine entsprechende Spezialität vorhanden.

Albert, trotz deines Alters und deiner Blindheit bleibst du immer fröhlich, kannst du mir dein Geheimnis verraten?

Aber gerne. In der Abwechslung liegt die Würze des Lebens. Hab Interesse an verschiedenen Dingen, genieße jeder Sekunde deines Lebens, egal ob es gerade schwer ist und versuch andere Menschen glücklich zu machen.


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