Sam Carter ist nicht so wie viele andere Jungköche in Köln.

Sam ist 31. Er kommt aus King’s Lynn, England. Er hat spät seine Liebe für das Essen entwickelt und erst vor etwa 7 Jahren in Vancouver mit dem Kochen angefangen. Er hat nie eine Kochschule besucht, aber arbeitet professionell als Koch in einem der besten Kölner Restaurants (Heising&Adelmann). Aber das ist nicht das erste, was dir auffällt, wenn du mit ihm sprichst. Sam ist sehr kreativ. Wenn er nicht in der Küche ist, ist er Blogger, Fotograf und Musiker. Zwischen all dem und seinem schönen Lächeln verstehst du sofort, warum die Leute so von ihm fasziniert sind.

Ich habe Sam am Montagmorgen zum Frühstück in einem der Cafés am Zülpicher Platz getroffen. Er hat nur Cappuccino bestellt. Wir haben über zwei Stunden über alles von seiner Karriere, Leben in Köln bis hin zu Sam’s Zukunftsplänen und seinem Puggle-Hund Alfi geplaudert.

Wie man Koch wird

Wie bist Du zum Kochen gekommen?

Ich habe eigentlich Katastrophenmanagement in England studiert; aber ganz ehrlich, ich war mir nie wirklich sicher, was ich in meinem Leben machen wollte. Nach der Universität habe ich meine Reisejahre angetreten, habe 4 Jahre lang in Vancouver gelebt und das ist, wo ich ans Kochen kam und Koch wurde.

Warum in erster Linie Kanada?

Ich wollte nach Kanada, weil es schon immer auf meiner Liste der zu besuchenden Orte war. Es ist ein wunderschönes Land und ich habe gehört, dass sie dort wirklich gute Donuts haben 😉 Ich landete in einem vornehmen Supermarkt, wo ich anfangs nur das Essen servierte. Dort fing ich dann an, mich sehr für das Kochen zu interessieren, weil du wirklich siehst, wie die Gerichte gemacht werden und du fängst an, Fragen zu stellen….Kochen ist sowieso so viel besser als Kundenservice (lacht – ed.). Ich habe auch mit einem richtig guten Koch gearbeitet, der mich sehr dazu ermutigt hat, meine eigenen Ideen zu entwickeln und kreativ zu sein

Warum hast Du Dich denn dann entschieden, Vancouver zu verlassen?

Ich weiß gar nicht wirklich, wie das passiert ist; ich dachte, dass Kochen nur eine Phase in meinem Leben ist, außerdem ich wollte immer schon nach Asien. Nach 4 Jahren in Kanada nahm ich also eine Lehrerstelle in Taiwan an, aber ich wollte sofort wieder in die Küche. Ich habe mich gefühlt, als ob ich wieder etwas mit meinen Händen kreieren muss. Ich habe während des Unterrichtens diese Kreativität sehr vermisst.

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Über das Leben in Köln, die Englische Identität und deutsches Essen

Magst Du Deutschland, Sam?

Ich liebe es. Ich denke es ist eine der besten Orte, in denen ich gelebt habe. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es jetzt mein Zuhause ist. England hat sich nie wie der Ort angefühlt, in dem ich landen möchte….obwohl ich dort gerne zu Besuch bin.

Was magst Du hier so sehr?

Kultur, Leute und die Ehrlichkeit, die ich jetzt sehr zu schätzen weiß. Auch wenn es am Anfang etwas schwierig war für mich als Engländer…

Trägst Du Deine Englische Identität täglich mit Dir?

Das ist eine schwierige Frage. Lass´ mich nachdenken….Ja, das tue ich. Weißt du es ist super als Engländer in der Küche zu arbeiten. Ich bemerke was anderen Leuten an mir auffällt.

Zum Beispiel?

Kritikempfindlich zu sein macht einen großen Teil meiner Nationalität aus. Engländer sind immer übermäßig freundlich. Wir schleichen herum, also stelle ich je länger ich hier lebe, fest, wie englisch ich bin. Aber gleichzeitig werde ich mehr deutsch. Meiner Familie in Großbritannien ist das auch aufgefallen. Die Leute wissen, dass ich Engländer bin, sobald sie auf mich treffen, aber in England fällt den Leuten auch auf, dass ich ein wenig anders bin….also treibe ich momentan irgendwo in der Mitte umher.

Magst Du deutsches Essen?

Ja, das tue ich. Es ist ein bisschen schwer; ich würde es nicht jeden Tag essen; besonders nicht im Sommer….Deutsche bereiten Fleisch sehr gut zu, aber das Beste für mich ist hier das Brot. Wenn man aus England kommt, wo Brot so teuer ist, und in unseren Supermärkten haben wir nur Toastbrot…du kannst einen perfekten Ball aus einer Scheibe Brot formen…also, das ist für mich kein Brot mehr (lacht – ed.).

Sprichst Du in der Küche, in der Du arbeitest Deutsch oder Englisch?

Deutsch. Ich habe nur einen deutschen Kollegen. Der Küchenchef kommt aus Sri Lanka, zwei meiner Kollegen kommen aus der Türkei, und der Service ist auch ziemlich gemischt.

Irgendwelche kulturübergreifende Fehler, die Dir einfallen?

Zu viele, offensichtlich haben alle mit der Sprache zu tun! Ich habe Küchen-Deutsch gelernt, also bin ich sicher, dass ich viele Fehler mache! Es ist mir nicht peinlich, Fehler zu machen, eigentlich korrigieren mich viele Leute auch nicht wenn ich sie mache…..

Letzte Woche in der Küche….“Hast du in den Nachrichten gesehen, als ein paar Polizisten in LA mit einem obdachlosen Mann gekämpft und ihn erschossen haben?“ Ich habe versucht, meinen Kollegen zu erklären, was passiert war. Es war eine ernste Unterhaltung. Ich wollte sagen, dass der Polizist den Obdachlosen erschossen hat, und das Wort, das ich hätte benutzen sollen ist “geschossen” aber ich sagte nur “geschissen” … Sie fingen alle an vor Lachen zu schreien! So eine kleine Sache, nur ein falscher Vokal, aber es ist ein Fehler, den du nicht machen willst. So was in der Art passiert fast täglich, aber es ist amüsant.

Abgefahrene Sandwich Bar…

Was hält die Zukunft für Dich bereit, Sam?

Mein Unternehmen! Ich würde gerne eine kleine Sandwich-Bar eröffnen, hoffentlich schon nächstes Jahr. Ich werde nebenbei immer Musik machen und fotografieren…

Warum eine Sandwich Bar?

Ich liebe Sandwichs, und ich denke ich mache sie richtig gut. Es gibt nicht so viele Leute, die das tun und außerdem wird Street-Food gerade richtig groß hier in Köln…es kann hier wirklich sehr erfolgreich sein.

Hast Du schon einen Namen für Deine Sandwich Bar?

Klar! Funky Sandwich!

SamKitchen


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