Ich bin ein spanischer Ingenieur, der auf der Suche nach dem „gelobten Land“ nach Deutschland kam und kurz darauf arbeitslos wurde. Während dieser Zeit habe ich realisiert, dass ein großer Teil meiner Vorstellungen von Deutschland total falsch waren; ich musste sie neu definieren. Danach entschloss ich mich, über meine Erfahrungen in einem Blog zu berichten; teilweise um meinen Frust zum Ausdruck zu bringen und teilweise um Neuankömmlinge davor zu bewahren die gleichen Fehler zu machen. Mit der Zeit lernte ich nicht nur die negativen Aspekte kennen, sondern auch die positiven. Deshalb versuche ich immer eine realistische Darstellung über Deutschland abzugeben, welches zweifellos ein tolles Land ist.

Meine ersten Monate waren wirklich schwer. Meine hauptsächlichen Probleme hatten wahrscheinlich mit der Sprache zu tun, weil ich zum damaligen Zeitpunkt kein Deutsch sprach, aber auch meine Papiere bereiteten mir Kopfschmerzen. Man muss anfangs viele Ämter besuchen und viele Papiere sortieren. Das ist nicht leicht, wenn Du im Ausland bist und Du keine Ahnung hast wie die Dinge in diesem Land funktionieren, und umso schlimmer, wenn man die lokale Sprache nicht spricht! Es braucht auch eine gewisse Zeit, sich an „seltsame“Gepflogenheiten zu gewöhnen. Und um ehrlich zu sein, muss ich sagen, dass die meisten Deutschen nicht gerade die warmherzigsten und aufgeschlossensten Menschen in der Welt sind…Das ist ein großes Hindernis, wenn man hier integriert werden möchte.

Was fällt Dir am meisten auf in Deutschland?

Es ist erstaunlich wie städtisch und ländlich in diesem Land miteinander auskommen. Egal ob Du in der Stadt oder auf dem Land bist; Du siehst Industrie und moderne Einrichtungen neben Bauernhöfen, Feldern und Wäldern. Ich mag, wie sie zusätzlichen Wert mit der Umwelt schaffen. Was ich jedoch nicht mag ist der übertrieben beschleunigte und extrem steife Lebensstil dieser Gesellschaft. Es ist wirklich stressig! Ich lebe lieber langsamer und erhalte mir etwas Flexibilität. ..

Hat sich Dein Lebensstil verändert, als Du nach Deutschland kamst? Wenn ja, wie?

Auf jeden Fall! Meine Art zu essen, meine Art mich fortzubewegen, meine Art in Bezug auf Menschen sogar meine Art zu denken, haben sich verändert. Im Allgemeinen ist mein Leben weniger spontan geworden. Es gibt wenig Spielraum für Improvisation. Hier muss alles im Voraus geplant sein.

Was vermisst Du am meisten aus Deinem Heimatland?

Oh, so viele Dinge!! Leute, Wetter, Orte, Gewohnheiten, ESSEN… Es ist schwer zu sagen, was ich am meisten verisse….Ich vermisse auch das Gefühl „Kontrolle zu haben“. In Deinem Land fühlst Du Dich in jeder Situation selbstsicher, weil Du die Regeln kennst und es keine Sprachbarriere gibt. Im Ausland ist alles so ungewiss, und sogar die kleinsten Dinge werden zur großen Herausforderung. Für mich ist es besonders frustrierend, dass ich aufgrund der Sprache nie meine beste Performance auf der Arbeit zeigen kann. Natürlich kannst Du das immer mehr und mehr verbessern, aber Du wirst nie ein Muttersprachler sein. So oder so wird dies immer ein Handicap sein.

Haben sich einige der Stereotypen über Deutschland und die Deutschen aufgrund Deiner Erfahrungen hier bestätigt?

Ich würde sagen, viele denken, dass die Deutschen methodisch, diszipliniert, leistungsfähig, kalt und ernst sind. Wie jeder Stereotyp haben sich einige bewahrheitet (ganz sicher!) Aber einige andere sind lediglich Mythen oder nur teilweise wahr. Insbesondere kann ich die Kälte und Eigenwilligkeit bezeugen. Es is nicht leicht, dort Freunde zu finden…

Was bedeutet für Dich Multikulturalität?

Meiner Meinung nach bedeutet Multikulturalität mehr als nur Menschen mit diversen Nationalitäten, die nah beieinander wohnen. Für mich bedeutet aufgeschlossen zu sein, neugierig auf neue Dinge zu sein, zu verstehen, dass nicht die ganze Welt genauso ist wie das kleine Stück davon, das Du kennst, und vor allem, in der Lage zu sein, das beste von jeder Kultur in Dein Denken einzubeziehen. In diesem Sinne denke ich, dass Deutschland ziemlich multikulturell ist, wenn auch nicht ganz. Und auch, wenn es stimmt, dass einige Orte in diese Richtung gehen, so sind Misstrauen gegenüber Fremden und der Widerwille gegenüber Veränderungen ebenfalls nicht unüblich.


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